Reizbarkeit – wenn der Geduldsfaden zu kurz ist

Frau leidet an Reizbarkeit

Von Null auf 180 in nur einer Sekunde! Was wir von unseren Autos erwarten, kennen wir von uns leider auch manchmal: Das Kind jammert, der Partner fordert Aufmerksamkeit, eine Prüfung steht an, Haushalt und Arbeit warten – und irgendwann reicht es. Dann auch einmal erhöhte Reizbarkeit an den Tag zu legen, ist eine normale und sehr menschliche Belastungsreaktion. Doch es gibt auch Ursachen, die zu einer länger anhaltenden Reizbarkeit führen. Dann lohnt es sich, einen achtsamen Blick auf sich selbst und die ständig gereizte Stimmung zu werfen.

Gereiztheit kann viele Ursachen haben

Bislang standen Sie vielen Dingen gelassen gegenüber, doch auf einmal bringt Sie schon eine falsche Frage oder das Babygeschrei von nebenan auf die Palme? Sie fühlen sich unter Strom und angespannt? Schnelle Reizbarkeit kann ein Symptom von innerer Unruhe sein. Wenn dann noch andauernde Nervosität hinzukommt, empfinden Betroffene die negative Stimmungslage als echte Belastung. Bleibt dieser Zustand dauerhaft bestehen, können als Folgeerscheinung außerdem Schlafstörungen oder Kopfschmerzen auftreten.

Gereiztheit lässt sich in manchen Fällen allerdings auch auf Krankheiten oder andere gesundheitliche Einflüsse zurückführen:

  • Burnout: Die Krankheit zeichnet sich sowohl durch emotionale als auch durch körperliche Erschöpfung aus. Neben Überlastung tritt Gereiztheit oft in Zusammenhang mit Burnout auf. Gerade zu Beginn der Krankheit sind Betroffene gestresst und dadurch aggressiver.
  • Depression: Reizbarkeit kann vor allem bei Männern Symptom einer Depression sein. Wut in Kombination mit körperlichen Symptomen wie Kurzatmigkeit oder Schwindelgefühlen sind bei männlichen Patienten oft zu beobachten.
  • Schlafstörungen: Dauerhaft fehlender Schlaf führt zu Müdigkeit, Abgeschlagenheit und dazu, dass der Tag-Nacht-Rhythmus, also die Zeiten, wann wir schlafen und wann wir wach sind, aus dem Gleichgewicht geraten. Der Körper reagiert darauf mit reduzierter Leistungsfähigkeit und erhöhter Reizbarkeit.
  • Serotoninmangel: Serotonin wird auch als unser Wohlfühlhormon bezeichnet. Es macht uns glücklich und ist der Grund dafür, dass Schokolade-Essen und Sport unsere Laune heben können: Beide steigern die Serotoninproduktion. Schokolade enthält Tryptophan, die Vorstufe zu Serotonin, und durch Sport wird der Tryptophan-Spiegel im Gehirn erhöht. Liegt ein Mangel vor, äußert sich das beispielsweise durch eine depressive und ständig gereizte Stimmung. Er kann unter anderem durch psychische Erkrankungen oder als Nebenwirkung von Medikamenten auftreten.
  • hormonelle Veränderungen bei Frauen: Ein Beispiel für hormonelle Schwankungen ist das prämenstruelle Syndrom (PMS). In der Zeit vor der Periode leiten die weiblichen Geschlechtshormone die fruchtbaren Tage ein. Dadurch ändert sich der Hormonspiegel, worauf der Körper mit Abgeschlagenheit oder Gereiztheit reagieren kann. Auch in den Wechseljahren sind solche Reaktionen bekannt: Mit abnehmender Fruchtbarkeit sinkt ebenfalls der Östrogenspiegel.
  • Schilddrüsenerkrankungen: Hier sind zwei Formen zu unterscheiden: Je nachdem ob eine Schilddrüsenunter- oder -überfunktion vorliegt, wird entweder zu wenig oder zu viel der Schilddrüsenhormone gebildet. Sie sind essenziell für den Stoffwechsel des Menschen – eine veränderte Produktion führt unter anderem zu einer Gewichtzunahme oder -abnahme. Zusätzlich kann bei einer Schilddrüsenüberfunktion eine ständig gereizte Stimmung aufkommen.

Sollten Sie bemerkt haben, dass Sie in letzter Zeit ständig gereizt sind, und dafür keine Erklärung finden, dann ist es sinnvoll, einen Arzt aufzusuchen. Er kann die Ursache der andauernden Reizbarkeit herausfinden und Ihnen dabei helfen, die Gereiztheit zu überwinden.

Sie sind ständig gereizt? Das können Sie gegen Reizbarkeit tun

Häufig fällt es einem selbst auf, dass man eine niedrigere Reizschwelle hat und schneller aus der Haut fährt als sonst. Vielleicht hat auch das Umfeld schon den ein oder anderen Hinweis gegeben oder die Gereiztheit für angespannte Momente in Familie oder Arbeit gesorgt. Sie fragen sich, was Sie dagegen tun können? Zum einen gilt es, die Ursachen der ständig gereizten Stimmung zu erkennen und zu beseitigen, zum anderen können Sie der Reizbarkeit gezielt mit Übungen entgegenwirken und zurück zur inneren Ruhe finden.

Pflanzliche Mittel können dabei helfen, Ruhe und Entspannung zu erlangen. Baldrian in Form von Tee oder Tabletten tragen beispielsweise zu einer Linderung von Unruhezuständen bei. Überreaktionen aufgrund der ständig gereizten Stimmung können so auch vorbeugend vermieden werden.

Probieren Sie autogenes Training aus: Die Entspannungsmethode ist als Psychotherapieverfahren anerkannt und beschäftigt sich mit dem vegetativen Nervensystem, das unter anderem Pulsschlag, Durchblutung und Atmung reguliert. Autogenes Training stellt eine Art Selbsthypnose dar, bei der man durch gedankliche Konzentration innere Ruhe finden und so auch Gereiztheit reduzieren kann. Der Körper befindet sich währenddessen in einer vollkommen entspannten Position und es werden im Geiste ständig spezielle Redewendungen wiederholt, um vollständige innere Ruhe zu erreichen.

Auftanken: „Schamanische Übungen“ pushen das Energielevel

Schamanische Übungen sind gut in den Alltag zu integrieren und haben das Ziel, beim Betroffenen die Lebensfreude zu aktivieren, neue Energie zu entwickeln und Entspannung zu erreichen. Die vielseitigen Übungen (zum Beispiel spezielle Atemübungen) unterstützen Sie, achtsamer mit sich und dem eigenen Leben umzugehen.

Während die einen lieber Ruhe und Entspannungsmomente suchen, kann es anderen helfen, aktiv zu werden. Regelmäßiger Sport sorgt für Ausgleich und verbessert die Stimmung. Gezielte Bewegung in Kombination mit Entspannungstechniken ist daher eine gute Mischung, um der lästigen Reizbarkeit den Kampf anzusagen.

Das könnte Sie auch interessieren: Tipps gegen Unruhe >>

Stress und Unruhe: Baldrian kann helfen >>

Die Ursachen innerer Unruhe >>