Insomnie: Schlaflose Nächte

15. Februar 2019
7 Min.

Statt im Land der Träume zu schlummern und sich von den Anstrengungen des Tages zu erholen, verbringen viele Menschen die Nächte mit Schäfchenzählen, Grübeln, Umherwälzen und Kissen-Zurechtknautschen. Jeder Vierte in Deutschland leidet gelegentlich, jeder Zehnte häufig oder ständig an Insomnie.1 Mit diesem Fachbegriff beschreiben Mediziner Ein- und/oder Durchschlafstörungen. Lesen Sie mehr zur häufigsten Form von Schlafstörung.

Ausprägungen der Insomnie

Frau mit diagnostizierter Insomnie drückt sich ein Kissen auf den Kopf.

Stress sowie belastende Situationen wie ein Krankenhausaufenthalt oder aufregende Ereignisse wie ein Jobwechsel können uns um den Schlaf bringen. Eine vorübergehende Insomnie, das heißt wenn sich die Schlaflosigkeit auf einen Zeitraum von einigen Tagen bis hin zu ein bis drei Wochen beschränkt2, ist nichts Ungewöhnliches. Die akute Form der Insomnie endet und der Schlaf normalisiert sich, sobald der bekannte „Störfaktor“, der zu schlaflosen Nächten geführt hat, wegfällt.

Hat der Betroffene jedoch mehr als vier Wochen, häufiger als dreimal pro Woche Schwierigkeiten, ein- und/oder durchzuschlafen, ist eine Behandlung der Insomnie notwendig.3 Bestehen die Schlafprobleme über mindestens drei Monate hinweg, liegt eine chronische Insomnie vor.4

Schlaflosigkeit und ihre Ursachen

Die reduzierte Schlafqualität und Dauer hat erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität: Betroffene fühlen sich müde, sind reizbar, leiden unter depressiven Verstimmungen, können sich schlecht konzentrieren und ihre Leistungsfähigkeit ist eingeschränkt. Daher ist es umso wichtiger, die Ursachen der Schlaflosigkeit zu finden und zu behandeln.

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Organische Ursachen

Die Liste an Erkrankungen, die den Schlaf beeinträchtigen, ist lang. Um die Grunderkrankung therapieren zu können, bedarf es zuerst einmal einer medizinischen Abklärung. Der Arzt untersucht die Betroffenen, bestimmt Laborwerte (beispielsweise in Hinblick auf die Schilddrüsenfunktion) und schreibt gegebenenfalls ein Elektrokardiogramm (EKG). So wird versucht, herauszufinden, ob und welche Erkrankung zur Schlafstörung führt.

Beispiele für organische „Schlafräuber“ sind

  • hormonelle Störungen,
  • Restless-Legs-Syndrom (Bewegungsdrang der Beine, der unkontrolliert vor allem dann auftritt, wenn der Betroffene zur Ruhe kommt),
  • Herz- und Lungenerkrankungen,
  • chronische Magen-Darm- oder Nierenerkrankungen sowie
  • Blasen- und Prostataleiden und damit verbundener nächtlicher Harndrang.

Eine große Rolle spielen bei den Ursachen der Schlaflosigkeit auch chronische Schmerzen, wie sie zum Beispiel bei rheumatischen Erkrankungen vorkommen können. 60 bis 80 Prozent der älteren Menschen leiden darunter.5

Medikamente und andere Substanzen

Bei der Suche nach der Ursache, die zur Schlaflosigkeit führt, sind auch eingenommene Medikamente oder andere Substanzen zu berücksichtigen.

Zu den Substanzgruppen, bei denen Schlafstörungen als Nebenwirkung möglich sind, zählen beispielsweise

  • Blutdruckmittel,
  • Hormonpräparate,
  • Antibiotika,
  • Diuretika (Medikamente zur Entwässerung),
  • Antidepressiva mit antriebssteigernden Eigenschaften und
  • Schlafmittel (Benzodiazepine).

Werden letztere zu schnell abgesetzt, ist eine sogenannte Rebound-Insomnie möglich, das heißt, die Schlafstörung verstärkt sich sogar noch. Um diesen Effekt rückgängig zu machen, greifen viele dann wieder zu Schlafmitteln – ein Teufelskreis.

Der Vollständigkeit halber seien an dieser Stelle auch Substanzen wie Alkohol, Koffein und synthetische Substanzen erwähnt, die Ursache für Schlaflosigkeit sein können.

Psychische Störungen

Mitunter ist die Insomnie auch das Symptom einer Depression, Angsterkrankung, Psychose oder von Demenzen, bei denen sich die geistigen Fähigkeiten (beispielsweise Orientierung, Auffassungsvermögen, Sprache) verschlechtern oder sogar ein Verlust dieser stattfindet. Auch hier steht die Grunderkrankung im Behandlungsfokus. Die Schlafstörung losgelöst behandeln zu wollen, bliebe ohne Erfolg.

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Die primäre, nichtorganische Insomnie

Doch bei vielen Betroffenen ist die Schlaflosigkeit nicht auf eine organische Ursache zurückzuführen. Auch erfüllen sie nicht die Diagnosekriterien für eine psychische Störung. Die Hauptbeschwerde ist „die subjektiv nicht ausreichende Schlafdauer“6 oder „die schlechte Qualität des Schlafes“.6 Vor allem bei der chronischen Insomnie bestimmen die Schwierigkeiten mit der Nachtruhe das Leben der Betroffenen. Sie machen sich beispielsweise viele Gedanken über mögliche Konsequenzen, da die berufliche und soziale Leistungsfähigkeit sinkt.

Nach dem Modell von Morin ist ein Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren ursächlich für die primäre Insomnie:

  1. Aktivierung, Erregung: Der Betroffene ist wütend über die Schlaflosigkeit oder begegnet ihr mit Ängstlichkeit (emotional). Es fällt ihm schwer, im Bett nicht mehr an das zu denken, was tagsüber passiert ist (kognitiv). Möglich sind auch physiologische Aspekte wie beispielsweise ein erhöhter Blutdruck. Die drei Ebenen emotional, kognitiv und physiologisch können entweder einzeln oder zur gleichen Zeit vorhanden sein.
  2. Gedanken, die dem Schlaf im Weg stehen: „Ich muss um sieben Uhr aufstehen, nun ist es bereits 2:30 Uhr – ich muss jetzt endlich schlafen.“ Schon allein der Druck, der bei diesem Satz mitschwingt, zeigt, dass die Erwartungen an sich selbst das Problem verstärken können.
  3. Schlafunverträgliche Verhaltensweisen: Länger im Bett liegen zu bleiben, tagsüber zu schlafen, Fernsehen im Bett – all das wirkt sich ebenfalls negativ auf die Schlafeffizienz aus. Zudem braucht der Betroffene länger, abends einzuschlafen (steigende Schlaflatenz).
  4. Insomnie und ihre Auswirkungen: Viele Patienten fühlen sich müde, depressiv, ängstlich.

Um einen Ausweg aus diesem „Hamsterrad“ zu finden, können Entspannungstechniken wie Progressive Muskelrelaxation helfen. Des Weiteren sind Regeln zur Schlafhygiene wie der Verzicht, tagsüber zu schlafen, oder dem Einführen eines allabendlichen Zu-Bett-geh-Rituals, sowohl bei akuter als auch chronischer Insomnie sinnvoll.

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Was hilft bei Insomnie?

Die von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin konzipierte Leitlinie „Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen“ sieht bei Insomnien als erste Maßnahme die kognitive Verhaltenstherapie vor.7 Zusammen mit einem Experten arbeiten die Betroffenen daran, richtiges Schlafen wieder zu erlernen. Eine medikamentöse Kurzzeittherapie (drei bis vier Wochen7) der Insomnie ist unter Umständen auch möglich, beispielsweise mit Benzodiazepinen oder Benzodiazepinrezeptoragonisten. Da wie bei allen Medikamenten auch hier Nebenwirkungen möglich sind, ist es wichtig, sich an die ärztlich verschriebene Dosierung zu halten und die Arzneimittel aufgrund ihres Abhängigkeitspotenzials nicht länger als empfohlen einzunehmen. Beruhigende Antidepressiva kommen vor allem bei Personen zum Einsatz, die an Depressionen und damit einhergehenden Schlafstörungen leiden.

Julia Lindert
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Medizinredakteurin
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