Schlafstörungen: Ursachen psychischer & körperlicher Art

28. März 2017
9 Min.

Kurz und knapp: Schlafprobleme und mögliche Ursachen

Für Schlafstörungen gibt es vielfältige Ursachen. Nur wenn sie bekannt sind, kann eine entsprechende Behandlung begonnen werden – und mit ihr der erholsame Schlaf zurückkehren.

Nicht schlafen können aufgrund von Stress und kreisenden Gedanken

Frau mit Schlafstörungen denkt über Ursachen nach, während sie nachts auf die Uhr sieht.

Mit Schlafstörungen hatte schon fast jeder zu kämpfen. In der Regel sind diese vorübergehend und daher kein Grund zur Sorge. Doch spätestens, wenn sich über Wochen eine durchwachte Nacht an die andere reiht, beginnt die Suche nach der Ursache.

Viele davon verschulden wir selbst:

  • Wer abends zu schwer gegessen hat, hält seine Verdauung auf Trab und muss mit Problemen beim Ein- oder Durchschlafen rechnen.
  • Wenn wir bis kurz vor dem Zubettgehen aktiv sind, zum Beispiel Sport treiben, Hausarbeit verrichten, oder noch ein paar geschäftliche E-Mails beantworten, fehlt dem Körper Zeit, zur Ruhe zu kommen.
  • Auch im Schlafzimmer selbst findet sich die ein oder andere Ursache für Schlafstörungen, beispielsweise eine zu weiche oder harte Matratze, stickige Luft, laute Außengeräusche, Informationsüberfrachtung (Fernsehen), die falsche Raumtemperatur oder eine unzureichende Abdunkelung des Raums.

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Häufig sind es jedoch belastende Situationen in Beruf oder Familie, die das Gedankenkarussell in Gang setzen – und einen um den Schlaf bringen. Stress gilt dabei als häufigste Ursache für Schlafstörungen. Dieser entsteht, wenn eine Situation als besonders bedrohlich, aber auch ungewohnt oder nicht zu bewältigen erscheint. Chronische Überforderung führt zu einem anhaltend erhöhten Spiegel des Stresshormons Kortisol im Blut, was zu starken Schlafstörungen führen kann.

Schichtarbeit – Leben und Arbeiten gegen die innere Uhr

Die Nacht ist zum Schlafen da – eine saloppe Aussage, über die vor allem Menschen, die beispielsweise im Rettungsdienst, Krankenhaus oder in Fabriken nur müde lächeln können. Circa sechs Millionen Menschen in Deutschland arbeiten ständig oder regelmäßig im Schichtsystem.1 Ein Umstand, der den Schlaf-Wach-Rhythmus der Erwerbstätigen verschiebt: Sie arbeiten, wenn der Körper normalerweise Ruhe und Erholung braucht, und zwingen sich dafür, tagsüber zu schlafen. Unter ständigem Schlafentzug leiden vor allem Personen, die ausschließlich nachts arbeiten, zum Beispiel Angestellte bei Sicherheitsdiensten. Sie schlafen im Vergleich zu Menschen, die tagsüber tätig sind, generell zwei Stunden weniger.2

Grübeln nach einer Antwort auf die Frage „Warum kann ich nicht schlafen?“

Häufig sind es mehrere Faktoren, beispielsweise Stress und Schichtarbeit, die zusammen zu einer Schlafstörung führen. Auch kontraproduktive Verhaltensweisen, wie nachts das Licht anzumachen oder den Fernseher einzuschalten, gehören dazu.

Schlafstörungen durch Melatoninmangel

Ein Zuwenig des Schlafhormons Melatonin, das unser Körper vermehrt freisetzt, wenn es dunkel ist, kann die Ursache für Schlafprobleme sein. Jedoch fehlt bisher ein Richtwert, wann tatsächlich ein Melatoninmangel vorliegt. In den USA und Niederlanden beispielsweise ist Melatonin als Nahrungsergänzungsmittel frei verkäuflich. In Deutschland gelten strengere Richtlinien: Hier ist das Hormon als Arzneimittel eingestuft und verschreibungspflichtig. Um tatsächlich einen nachweisbare Besserung der Beschwerden zu erlangen, sind sehr hohe Melatonindosen notwendig. Doch viele Pateinten reagieren mit Überempfindlichkeit, sie müssen beispielsweise erbrechen, bekommen Kopfschmerzen, Schwindel oder Verstopfung. Zurzeit ist nur retardiertes, das der Freisetzung seiner Wirkung verzögertes, Melatonin für Patienten mit Insomnie (Ein- und Durchschlafstörungen), die mindestens 55 Jahre alt sind, zugelassen. Und das auch nur für einen Einnahmezeitraum von drei Monaten.4

Psychische Erkrankungen als Ursache für Schlafstörungen

Unsere Psyche nimmt einen großen Einfluss auf den Schlaf. Betroffene, die unter Angsterkrankungen, Depressionen oder anderen schweren psychischen Krankheiten leiden, können häufig auch nicht schlafen.

Insbesondere eine Depression geht fast immer mit einer Beeinträchtigung des Schlafes einher. Dabei ist zwischen einer depressiven Verstimmung und einer echten Depression zu unterscheiden: Während erstere sich als vorübergehende Phase zeigt, beschreibt eine Depression eine anhaltende gedrückte Stimmung, die mit zahlreichen Beschwerden (körperlicher wie psychischer Natur) einhergeht. Betroffene sind antriebslos, erleben sich selbst als freudlos und klagen über körperliche Symptome, beispielsweise Appetitstörung oder eben Schlaflosigkeit.

In der Regel reicht es nicht aus, die Schlafstörung an sich zu behandeln, sondern es muss immer auch eine Therapie der zugrundeliegenden Ursache vollzogen werden. Stellt sich beispielsweise heraus, dass die Depression der Auslöser ist, muss zunächst diese behandelt werden. Dabei spielen sowohl die Verordnung von antidepressiv wirkenden Medikamenten als auch therapeutische Maßnahmen, beispielsweise eine kognitive Verhaltenstherapie, eine Rolle.

Sind Krankheiten der Grund dafür, warum ich nicht schlafen kann?

Nicht immer ist es eine belastende Lebensphase, die als Ursache für Schlafprobleme ausgemacht wird. Mitunter rufen auch organische Ursachen Schlafstörungen hervor.

Folgende Krankheiten nehmen häufig Einfluss auf den Schlaf:

  • neurologische Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Migräne oder Epilepsien
  • chronische Nierenerkrankungen/Magen-Darm-Erkrankungen
  • chronische Infektionen
  • Schlafapnoe-Syndrom (nächtliche Atemstillstände, häufig verbunden mit Schnarchen)
  • Tumorerkrankungen
  • Herz- und Lungenerkrankungen
  • Polyneuropathien (Nervenschädigung)
  • chronischer Schmerz, zum Beispiel bei Rheuma

Vor allem Patienten, die unter Schmerzen leiden, können nicht oder nur schlecht schlafen. Und die Schlaflosigkeit führt wiederum dazu, dass sich das Schmerzempfinden verstärkt. Beides – Schmerzen und die Schlafstörung – hält sich somit auch gegenseitig aufrecht.

Stellt sich bei der Diagnose heraus, dass es eine organische Ursache für die Schlafstörung gibt, sollte diese zuerst behandelt werden. Häufig gehen mit Behandlung der Krankheit auch die Schlafprobleme zurück.

Schlafstörungen in den Wechseljahren

Hormonelle Veränderungen, wie sie typisch in den Wechseljahren (Klimakterium) bei Frauen sind, können ebenfalls für Schlafstörungen verantwortlich sein. Dabei ist es nicht allein die Hormonveränderung, einhergehend mit nächtlichen Hitzewallungen oder Schweißausbrüchen, sondern die psychischen Veränderungen, die vielen Frauen zu schaffen machen. Zukunftsängste und lebensverändernde Umstände, beispielsweise wenn die Kinder ausziehen, können für innere Unruhe oder Anspannung sorgen – und diese wiederum zu Ein- und/oder Durchschlafproblemen führen.

Alkohol und Medikamente – bekannte Schlafräuber

Ein kleiner Schlummertrunk soll ja wahre Wunder beim Einschlafen bewirken. Der Alkohol entspannt und beruhigt und kann einen somit auch schneller in den Schlaf finden lassen – gleichzeitig verringert er jedoch den Tiefschlafanteil und unterdrückt die REM-Schlafphase (Rapid Eye Movement). Die Folge: Man schläft schlechter durch. Bei vermehrten Alkoholkonsum sind auch Albträume und früheres Erwachen möglich. Außerdem besteht das Risiko, in eine Abhängigkeit zu geraten: Anfangs reicht noch das obligatorische Gläschen Wein, doch bei regelmäßigen Alkoholgenuss steigt der Bedarf, um den erhofften Schlaf herbeizuführen.

Eine weitere unterschätzte Ursache für Schlafprobleme sind bestimmte Medikamente. So können bei einigen Medikamentengruppen als Nebenwirkung recht häufig Schlafstörungen auftreten. Beispielsweise gibt es Substanzen, die eine zentral stimulierende Wirkung besitzen wie Amphetamine. Nicht immer ist ein Absetzen der Medikamente erforderlich, eine Änderung der Dosierung kann bereits eine Verbesserung des Schlafes bringen. Klären Sie dies unbedingt mit Ihrem Arzt.

Tanja Albert
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Julia Lindert
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