Emotionaler Stress im Privatleben – und wie man ihn bekämpft

Streitendes Pärchen: Konflikte mit dem Partner verursachen emotionalen Stress im Privatleben

Stress im privaten Umfeld kann unterschiedlich aussehen – doch jeder kennt ihn. Er entsteht zum Beispiel, wenn wir uns schon wieder mit dem Partner streiten oder in der Freizeit von einem Termin zum nächsten hetzen und gar nicht richtig abschalten können. Wie entsteht emotionaler Stress genau – und wie kann man verhindern, dass er im Privatleben die Oberhand gewinnt?

So empfinden wir emotionalen und sozialen Stress

Faktoren, die Stress hervorrufen können, sogenannte Stressoren, gibt es allerlei. Zum Beispiel versetzt Kälte, Hitze oder Hunger den Körper in Stress. In unserer Gesellschaft stellt jedoch vor allem emotionaler Stress durch psychische Belastungen ein Problem dar. Unter emotionalem Stress sind negative Gefühle zu verstehen, die in der Interaktion mit anderen Menschen auftreten können, zum Beispiel, wenn wir streiten, uns nicht geachtet fühlen oder befürchten, nicht akzeptiert zu werden.

Stehen wir unter Stress – egal ob durch äußere oder psychische Faktoren – reagiert unser Körper ganz automatisch. Das liegt daran, dass Stressreaktionen vom Stammhirn gesteuert werden, einem Teil unseres Gehirns, der unbewusste Vorgänge wie die Atmung, den Herzschlag und die Verdauung steuert. Zu spüren bekommen wir bei sozialem Stress dann zum Beispiel Folgendes:

  • Das Herz klopft schneller,
  • der Blutdruck steigt,
  • wir atmen heftiger und
  • leiden unter Übelkeit, Völlegefühl, Bauchkrämpfen oder Durchfall (weil der Körper die Verdauung drosselt, um mehr Energie zur Verfügung zu haben).

Anfällig für emotionalen Stress sind vor allem Menschen mit feinen Antennen für Zwischenmenschliches, wenig Selbstvertrauen oder einem großen Harmoniebedürfnis. Wann ein Mensch etwas als stressig erlebt, ist aber sehr subjektiv – es hängt von der Persönlichkeit und den individuellen Erfahrungen ab. Ein Beispiel: Jemand, der immer wieder vor vielen Menschen sprechen muss, verliert irgendwann die Angst davor und empfindet die Situation nicht mehr als stressig.

Auswirkungen von chronischem Stress: Körper und Seele leiden

Stress ist eine natürliche Reaktion des Körpers, wenn wir etwas in unserer Umwelt als gefährlich einstufen. Kurzfristig ist diese Anpassung sinnvoll, da wir in Alarmbereitschaft versetzt sind und so schnell Kräfte mobilisieren können. Hält Stress jedoch zu lange an, kann das dem Körper und der Psyche schaden. Unspezifische Befindlichkeitsstörungen wie zum Beispiel Kopf- und Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Magenschmerzen oder Schwindel können emotional gestresste Menschen plagen. Auch Angst und Depressionen sind unter Umständen Folgen von chronischem Stress. Außerdem steigt das Risiko für grippale Infekte, weil das Immunsystem bei Stress weniger aktiv ist.

Streit und Konflikte erzeugen emotionalen Stress

Sind wir zum Beispiel angesichts einer beruflichen Aufgabe überfordert oder haben wir zu wenig Zeit für die Arbeit, fühlen wir uns unter Druck gesetzt. Im Umgang mit anderen Menschen sind es dagegen meist zwischenmenschliche Konflikte, die uns belasten. Unstimmigkeiten mit Kollegen oder Vorgesetzten, im schlimmsten Fall Mobbing, erschweren so manchem das Arbeitsleben.

Neben dem Stress am Arbeitsplatz, gibt es auch im Privatleben oft Situationen, denen wir uns nicht gewachsen fühlen. Beispiele für Stress im sozialen Umfeld sind Streit mit dem Partner oder Freunden, Probleme mit den Kindern oder den eigenen Eltern sowie Zwist mit Bekannten oder Nachbarn.

Emotionaler Stress und was die eigene Einstellung damit zu tun hat

Auch unsere eigene Einstellung kann dazu beitragen, dass wir uns emotional gestresst fühlen. Viele Menschen streben danach, alles richtig zu machen und jedem gerecht zu werden. Sie geben nicht nur im Job hundert Prozent, sondern sind auch in der Freizeit ständig beschäftigt. Gerade berufstätigen Eltern wird viel dabei abverlangt, Job und Kind unter einen Hut zu bekommen. Stark ausgeprägter Perfektionismus kann hier emotionalen Stress verursachen, wenn Betroffene sich nicht erlauben, Fehler zu machen oder einmal gar nichts leisten zu müssen.

Burnout durch Freizeitstress?

Burnout entsteht nur durch die Arbeit? Nicht ganz! Denn wer zusätzlich auch im Privatleben keine Erholung findet und permanentem Termindruck in der Freizeit ausgesetzt wird, erhöht das Risiko, an Burnout zu erkranken.

Stress auch in der Freizeit?

Nicht nur der Arbeitsalltag vieler Menschen ist vollgestopft mit Terminen und Deadlines, auch nach der Arbeit herrscht oft Stress. Und das, obwohl sich die meisten Menschen wünschen, weniger Verpflichtungen zu haben und spontaner sein zu können; zum Beispiel einmal auszuschlafen oder einfach nur das zu tun, worauf man Lust hat. Stattdessen hetzen wir vom Termin beim Arzt und dem Vereinstreffen noch zum Abendessen mit den Schwiegereltern. In der Folge fühlen wir uns auch in der Freizeit gestresst.

Aber woran liegt es, dass wir uns Freizeitstress aussetzen?

  • Vielen fällt es schwer, sich nicht dauernd etwas vorzunehmen, aus Angst etwas zu verpassen oder die freie Zeit nicht sinnvoll zu nutzen.
  • Nach dem Wochenende möchte niemand gerne den Kollegen erzählen, dass man nichts unternommen hat.
  • Es ist nicht immer leicht, zwischen Arbeit und Freizeit zu unterscheiden. Haben wir im Büro beispielsweise ständig Termine, wird das zur Gewohnheit und wir beginnen, uns auch in der freien Zeit immer mehr vorzunehmen: Der Leistungsdruck auf der Arbeit wird zum Freizeitstress.

Stresslevel testen!

Sie fühlen sich oft gestresst? Überprüfen Sie den Grad Ihrer persönlichen Belastung in unserem Stresstest.

Was tun gegen emotionalen Stress?

Die größten Erfolge haben Sie, wenn Sie je nach Situation Methoden zur Stressbewältigung flexibel einsetzen. Horchen Sie immer wieder in sich hinein, was Ihnen im Moment guttun würde. Schalten Sie mithilfe von Entspannungstechniken ab. Fällt Ihnen das schwer, können Sie auf pflanzliche Beruhigungsmittel wie beispielsweise Baldrian zurückgreifen.

Gegen emotionalen und sozialen Stress können Sie zum Beispiel so vorgehen:

  • Verbessern Sie die Kommunikation mit Partner, Freunden und Familie. Führen Sie zum Beispiel nach einem Streit ein klärendes Gespräch, um in aller Ruhe der Ursache des Konflikts auf den Grund zu gehen.
  • Arbeiten Sie an Ihrer Einstellung. Wer zu viel von sich erwartet, egal ob in Freizeit oder Beruf, stresst sich unnötig und schafft meistens dennoch nicht mehr. Alles braucht seine Zeit – versuchen Sie sich daher in Geduld zu üben.

Zudem sind sogenannte „Flow-Erlebnisse“ wichtig: Als Flow bezeichnet man in der Psychologie einen Zustand, in dem man völlig in seinem Tun aufgeht. Wann haben Sie solche Augenblicke? Egal ob beim Laufen, Malen oder Meditieren – durch Flow-Erlebnisse können Sie Ihre Lebenszufriedenheit steigern und emotionalen Stress bekämpfen.

Bei der Arbeit an sich selbst und der Kommunikation zu anderen stößt man unter Umständen schnell an Grenzen. Helfen kann es dann, sich zum Beispiel an einen Psychotherapeuten oder Coach zu wenden, der Experte auf dem Gebiet ist und Sie bei Ihren Problemen unterstützen kann.

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