Schlafen dank Schlaftabletten? Was synthetische und pflanzliche Schlafmittel können

Endlich wieder erholsam und gut schlafen – das wünschen sich Millionen Menschen, die regelmäßig unter Schlafstörungen leiden. Viele versuchen es daher mit Schlafmitteln – doch gerade synthetische Mittel bergen Risiken. Welche Schlafmittel es gibt und warum viele von ihnen nur mit Vorsicht eingenommen werden sollten, erfahren Sie hier.

Chemische oder pflanzliche Schlafmittel schaffen Abhilfe bei belastenden Schlafstörungen

Frau liegt nachts wach & kann nicht schlafen: Pflanzliche Schlafmittel können bei Schlafstörungen helfen

Wer regelmäßig unter Schlafstörungen leidet, hat häufig ein geschwächtes Immunsystem, ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und oft auch Probleme mit seinem Gedächtnis. Ein erholsamer Schlaf ist also wichtig, sowohl für den Körper als auch für den Geist.

Gerade diese Beeinträchtigungen und das stundenlange Wachliegen, obwohl man sich müde fühlt, lassen Schlafstörungen schnell zu einer großen Belastung werden. Am besten ist es, den Schlaf ohne Medikamente in den Griff zu bekommen – manchmal können chemische oder pflanzliche Schlafmittel gegen Schlafstörungen jedoch hilfreich sein.

Ursache der Schlafstörungen als Basis für die Wahl des richtigen Schlafmittels

Schlafstörungen können ganz verschiedene Ursachen haben. Bevor Sie ein Schlafmittel einnehmen, sollten Sie zunächst herausfinden, warum Ihr Schlaf gestört ist. Denn gegen einige Auslöser von Schlafstörungen kann ein Schlafmittel nichts ausrichten, zum Beispiel gegen zu viel Kaffee am Nachmittag oder eine schwer verdauliche Mahlzeit am Abend. Generell behandeln Schlaftabletten immer nur das Symptom, nicht die Ursache der Schlafprobleme. Um langfristig zu einem gesunden Schlaf zurückzufinden, ist es wichtig, die Ursache zu erkennen und zu behandeln.

Verschaffen Sie sich einen Überblick über die Ursachen von Schlafstörungen und finden Sie heraus, was auf Sie zutrifft.

Tipps:

  • Führen Sie über zwei Wochen ein Schlafprotokoll. Darin notieren Sie Ihren Schlaf und alles, was den Tag über wichtig war. Vor allem, wie Sie die letzten Stunden am Abend verbracht haben, sollten Sie erfassen.
  • Leiden Sie eher unter Einschlaf- oder Durchschlafstörungen? Je nachdem, womit Sie Schwierigkeiten haben, sind unterschiedliche Schlafmittel geeignet.
  • Suchen Sie einen Arzt auf! Er kann organische Ursachen Ihrer Schlafstörungen erkennen oder ausschließen und Ihnen Tipps für Mittel gegen Schlafstörungen geben.

Zudem sollten Sie sich fragen, ob Sie zuletzt Ihre Schlafgewohnheiten geändert haben. Dies ist ebenfalls ein wichtiger Punkt bei der Suche nach der Ursache.

Überblick: Diese Schlafmittel gibt es

In der Apotheke sind unterschiedliche Schlafmittel erhältlich:

  • Pflanzliche Schlafmittel enthalten meist Baldrianwurzel, Hopfen oder Extrakte der Passionsblume. Die natürlichen Schlafmittel sind rezeptfrei erhältlich und eignen sich zur Behandlung von leichten Schlafstörungen.
  • Schlaftabletten aus der Klasse der sogenannten Benzodiazepine sind verschreibungspflichtig und können zur Abhängigkeit führen. Daher dürfen sie nur kurzzeitig bei schweren Schlafstörungen als Mittel verwendet werden.
  • Sogenannte Nicht-Benzodiazepin-Agonisten, auch Z-Medikamente genannt, wirken ähnlich den Benzodiazepinen, machen aber weniger abhängig. Daher werden sie seit einigen Jahren vermehrt verschrieben.
  • Antihistaminika werden vor allem zur Behandlung allergischer Reaktionen eingenommen. Als Nebenwirkung machen sie schläfrig, weswegen sie auch als Schlafmittel zum Einsatz kommen. Sie sind jedoch nur für die kurzfristige Behandlung geeignet, da sie die Schlafqualität vermindern.
  • Medikamente aus dem Bereich der Psychopharmaka oder Antidepressiva können ebenfalls vom Arzt verordnet werden. Der Vorteil: Die meisten haben kein Abhängigkeitspotenzial. Jedoch muss ihr Einsatz vom Arzt genau abgewogen werden.
Achtung: Auch wenn Sie ein rezeptfreie Medikamente (wie z.B. pflanzliche Schlafmittel) einnehmen wollen, sollten Sie mit einem Arzt Rücksprache halten. Denn auch diese Schlafmittel sind bei unsachgemäßer Anwendung nicht harmlos. Ein erfahrenerer Arzt kann den Behandlungserfolg beurteilen, bei der Auswahl des besten Mittels helfen und die richtige Dosierung festlegen.

Pflanzliche Schlafmittel bei Einschlafstörungen

Pflanzliche Schlafmittel enthalten bekannte Heilpflanzen, die beruhigend und einschlaffördernd wirken. Die pflanzlichen Mittel gegen Schlafstörungen sind besonders bei vorübergehenden Schlafstörungen geeignet – beispielsweise, wenn aufgrund einer bevorstehenden Prüfung und dadurch bedingtem Prüfungsstress der Schlaf ausbleibt. Sie können vor allem bei Einschlafstörungen helfen.

Pflanzliche Schlafmittel sind als Tabletten, Dragees, Tropfen und auch Tees erhältlich. Für die Herstellung werden bestimmte Pflanzenteile verwendet: Vom Baldrian beispielsweise die Wurzel.

Die Heilpflanzen wirken auf unterschiedliche Art, bisher ist nur wenig über die genauen Mechanismen bekannt. Immerhin liegen für Baldrian positive Studienergebnisse vor: Im Vergleich zu einem Placebo ist die Wirkung auf Schlafstörungen bewiesen1. Für andere Pflanzen wie Passionsblume oder Hopfen liegen noch keine entsprechenden Studien vor.

Damit die volle Wirksamkeit eintreten kann, müssen pflanzliche Schlafmittel meist mindestens zwei Wochen lang eingenommen werden.

Generell gelten die Einschlafhilfen aus der Natur als gut verträglich und arm an Nebenwirkungen. Baldrian greift zudem nicht in die Schlafphasen ein. Somit kommt es auch nicht zu einer gesteigerten Übermüdung oder nachwirkender Erschöpfung am nächsten Tag. Damit das natürliche Schlafmittel Baldrian allerdings anschlagen kann, sollten mindestens 600 Milligramm täglich eingenommen werden.

Benzodiazepine und Z-Medikamente: Synthetische Schlaftabletten mit starker Wirkung

Zu den Benzodiazepinen gehören unterschiedliche Wirkstoffe, die sich in ihrer Wirkdauer und Stärke unterscheiden. Folgende Wirkstoffe sind als Schlafmittel verbreitet:

  • Triazolam
  • Temazepam
  • Nitrazepam
  • Diazepam
Wenn der Patient Probleme mit dem Einschlafen hat, wird der Arzt ein Mittel verschreiben, das kurz nach der Einnahme seine Wirkung entfaltet und schnell wieder vom Körper abgebaut wird. Stehen Durchschlafprobleme im Vordergrund, gibt es Mittel, die über längere Zeit wirken.

Je nach Wirkstoff sind die Medikamente unterschiedlich stark beruhigend, entspannend, angstlösend oder schlaffördernd. Benzodiazepine entfalten ihre Wirkung direkt im Gehirn und beeinflussen die Schlafphasen: Sie führen dazu, dass sich die erholsamen Tiefschlafphasen verkürzen. Mögliche Nebenwirkungen sind Schläfrigkeit und ein eingeschränktes Reaktionsvermögen am nächsten Tag – genau das, was Schlafmittel eigentlich beheben sollen.

Problematisch ist bei dieser Substanzklasse, dass sie schnell abhängig macht. Daher darf sie nur kurzzeitig verschrieben und eingenommen werden. Während der Einnahme sollte die Ursache für die Schlafstörungen herausgefunden und eine entsprechende Therapie eingeleitet werden.

Einen ganz ähnlichen Wirkmechanismus haben die Nicht-Benzodiazepin-Agonisten. Sie werden auch Z-Medikamente genannt, da viele der Wirkstoffe mit Z beginnen, beispielsweise Zaleplon, Zopiclon oder Zolpidem. Auch sie sind nur für eine kurzfristige Anwendung von wenigen Wochen geeignet. Da sie weniger abhängig als die Benzodiazepine machen, werden sie diesen allerdings häufig vorgezogen.

Antihistaminika als Schlafmittel: Kurzzeitbehandlung bei Schlafstörungen

Vor allem als Mittel gegen Allergien bekannt, werden Antihistaminika gern als Schlafmittel eingenommen. Besonders die Mittel der ersten Generation weisen als Nebenwirkung ein schlafförderndes Potenzial auf. Einige der Wirkstoffe sind rezeptfrei erhältlich, allerdings sollten sie nicht eigenmächtig und/oder über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Antihistaminika greifen in das Schlafmuster ein, indem sie den REM-Schlaf unterdrücken. In dieser Schlafphase findet die Verarbeitung des Tagesgeschehens statt – fällt sie aus, sind die meisten Menschen spätestens nach einigen Tagen gereizt, leiden unter Konzentrationsproblemen oder vermehrter Aggressivität. Zudem kann nach wenigen Tagen bis Wochen eine Gewöhnung an die Wirkstoffe erfolgen.

Antidepressiva als Schlafmittel

Bestimmte Antidepressiva und Psychopharmaka können vom Arzt gegen Schlafstörungen verschrieben werden, beispielsweise Melperon oder Pipamperon. Diese Mittel haben den Vorteil, dass sie nicht abhängig machen und sind daher eine gute Alternative zu den bekannten Schlafmitteln. Sie werden gern älteren Menschen verschrieben, die mit häufigen Schlafstörungen kämpfen und bei denen andere Mittel unwirksam sind.

Fazit: Mittel gegen Schlafstörungen vorsichtig einnehmen

Viele Schlafmittel können zwar kurzfristig helfen, den Schlaf wiederherzustellen, haben jedoch Nebenwirkungen und können zu einer Gewöhnung oder Abhängigkeit führen. Daher sollten Schlafprobleme nicht nur mit Medikamenten, sondern auch durch entsprechende alternative Methoden angegangen werden. Dabei sind besonders eine gute Schlafhygiene, Entspannungstechniken und Verhaltenstherapien empfehlenswert.

In stressigen Phasen können zudem natürliche Schlafmittel auf pflanzlicher Basis die Erholung unterstützen, denn sie machen nicht schläfrig, sondern fördern vielmehr die innere Ausgeglichenheit.

1 Oxman et al.: A televised, web-based randomised trial of an herbal remedy (valerian) for insomnia. PLoS ONE, 2010, PMID 17940604