Parasomnie: Wenn Schlafwandeln und Co. die Nachtruhe stören

Von Parasomnien geplagte Frau versteckt sich unter der Bettdecke

Albträume oder Zuckungen beim Einschlafen – das sind Parasomnien, die sicher jeder von uns gelegentlich erlebt. Oftmals wachen wir davon kurz auf, schlafen aber genauso schnell wieder ein. Wer jedoch an einer Parasomnie wie Schlafwandeln oder einer Schlaflähmung leidet, füahlt sich in seinem Alltag durch Tagesmüdigkeit und Konzentrationsstörungen massiv beeinträchtigt. Lesen Sie hier, welche Parasomnien typisch sind und wann eine Behandlung sinnvoll ist.

Das sollten Sie über Parasomnie wissen

Was ist eine Parasomnie?

Parasomnie bedeutet wörtlich übersetzt „im Schlaf auftretend“. Dementsprechend fassen Mediziner unter Parasomnie Ereignisse zusammen, die schlafenden Menschen widerfahren (beispielsweise Albträume) oder an denen sie aktiv beteiligt sind (etwa nächtliche Nahrungsaufnahme). Vor allem bei Aktivitäten außerhalb des Bettes – wie beim Schlafwandeln –, schildern viele Patienten, dass ihr Schlaf für sie unentspannt ist und ihnen das Einschlafen nach einem solchen Ereignis während des Schlafens schwerfällt. So zählen Parasomnien zu den typischen Schlafstörungen.

Parasomnien werden anhand der Schlafstadien eingeteilt

Es gibt nicht die eine Parasomnie, sondern viele verschiedene Formen der Schlafstörung – je nachdem in welchem Schlafstadium sie auftritt. Im Folgenden finden Sie eine Übersicht über die gängigen Parasomnie-Arten.

Ein kurzer Exkurs: Die Schlafstadien im Überblick

Je nachdem wie lange unser Schlaf ist, durchlaufen wir mehrmals pro Nacht verschiedene Schlafphasen. Grob unterscheiden Experten zwischen dem Leicht- und dem Tiefschlaf, beziehungsweise REM-Schlaf (Rapid-Eye-Movement: schnelle Augenbewegungen bei geschlossenen Lidern; Phase, in der man träumt) und Non-REM-Schlaf (traumlose Phase, in der sich die Augen nicht bewegen). Eine genauere Einteilung sieht wie folgt aus:

  • 1. Phase: Einschlafphase (Non-REM-Schlaf)
  • 2. Phase: Leichtschlafphase (Non-REM-Schlaf)
  • 3./4. Phase: Tiefschlafphase (Non-REM-Schlaf)
  • 5. Phase: Traumphase (REM-Schlaf)
Dabei dauert es in der Regel circa 90 Minuten bis alle Schlafstadien durchlaufen sind. Pro Nacht durchlaufen wir den Zyklus etwa vier bis sieben Mal1. Dabei sind die einzelnen Phasen immer unterschiedlich lang und können sich in der Nacht willkürlich wiederholen oder abwechseln.

Aufwachstörungen oder auch Non-REM-Schlaf-Parasomnien

Diese Parasomnie tritt im Non-REM-Schlaf auf, also der ersten Schlafhälfte vom Wachsein bis zum Tiefschlaf. Experten sprechen in diesem Fall auch von Aufwachstörungen, weil das Gehirn während der Aktion im Schlaf nicht vollständig erwacht. Zu den NREM-Parasomnien zählen unter anderem die folgenden:

  • Nachtangst (Pavor Nocturnus): Meistens tritt die Nachtangst zu Beginn der NREM-Phase auf. Betroffene fangen dann plötzlich an, laut zu schreien, zu zittern und haben weit aufgerissene Augen – sie befinden sich in einem Schockzustand. Es kommt nicht selten vor, dass sie dabei aus dem Bett springen oder fluchtartig aus dem Haus laufen.
  • Schlafwandeln (Somnambulismus): Bei dieser Parasomnie kommt es meistens in der ersten Schlafhälfte zu nächtlichen Aktivitäten, ohne dass die Person tatsächlich wach ist. Unfälle sind bei dieser Form nicht selten, da die Betroffenen sich im Dunkeln schnell an Gegenständen oder Möbelstücken verletzen können.
  • Schlaftrunkenheit: Unter diesem nächtlichen Phänomen leiden Menschen, die plötzlich unvollständig aus ihrem Tiefschlaf gerissen werden. Kennzeichnend für Schlaftrunkenheit ist Verwirrung und Desorientierung.

Aha!

Die NREM-Schlaf-Parasomnien treten überwiegend bei jüngeren Menschen auf. Ein Drittel aller Kinder bis zum zwölften Lebensjahr sind mindestens einmal in ihrem Leben betroffen. Meistens handelt es sich jedoch nicht um eine dauerhafte, sondern eine vorübergehende Schlafstörung, die laut Wissenschaftlern im Rahmen der Gehirnentwicklung vorkommen. Lediglich in Ausnahmefällen kann eine in der Kindheit entstandene NREM-Parasomnie bis in das Erwachsenenalter bestehen bleiben.

Schlafstörungen in der zweiten Schlafhälfte – REM-Parasomnien

Der REM-Schlaf tritt meistens zum Ende einer Schlafperiode auf und ist die Phase, in der wir träumen. Als REM-Parasomnien werden daher Störungen bezeichnet, die den Schlaf in seiner letzten Phase beeinflussen beziehungsweise stören. Typische Parasomnien, die sich dieser Form zuordnen lassen, sind die folgenden:

  • Albträume: Fast jeder Mensch hat in seinem Leben bereits Albträume erlebt – daher handelt es sich dabei um die häufigste Parasomnie-Art. Gekennzeichnet sind diese schlimmen Träume durch Gefühle wie Trauer, Angst oder Ekel, die so präsent und stark sind, dass sie Betroffene erwachen lassen.
  • REM-Verhaltensstörung: Wenn Personen besonders intensive Träume mit viel Aktivität oder Aggressionen haben, bewegen sie sich bei dieser Parasomnie im Traum dazu und schlagen beispielsweise um sich oder treten mit den Beinen. Das kann zu schweren Eigen- oder Fremdverletzungen führen. Im Gegensatz zum Schlafwandeln wird das Bett aber eher selten verlassen und wenn, dann nur aus einer Bewegung heraus. Heute gehen Experten davon aus, dass diese Art der Parasomnie ein Vorbote für Erkrankungen wie Parkinson ist2.
  • Schlaflähmung (Schlafparalyse): Diese Schlafstörung ist beim Aufwachen durch auftretende Bewegungslosigkeit gekennzeichnet, die zumeist im direkten Anschluss an einen Traum einsetzt. Bis auf die Atmung und Augenbewegung ist die gesamte Skelettmuskulatur schlagartig gelähmt. Parasomnien wie diese kommen vor allem bei Patienten mit Narkolepsie (Schlafkrankheit) vor3.
Wer bemerkt, dass jemand in seinem Umfeld an einer Schlafstörung leidet, die ein hohes Verletzungsrisiko birgt, sollte Vorsichtsmaßnahmen ergreifen und gefährliche Gegenstände aus der direkten Umgebung eliminieren und Türen, die nach draußen führen, abschließen.

Unspezifische Parasomnien

Einige Formen der Parasomnie können keiner spezifischen Schlafphase zugeordnet werden – sprich, sie kommen während der gesamten nächtlichen Ruhe vor. Dazu zählen:

  • Bettnässen
  • Nahrungsaufnahme im Schlaf
  • Zähneknirschen
  • Hin- und Her-Rollen des Körpers
  • Schlafzuckungen
  • Sprechen im Schlaf
Meistens treten diese Parasomnien beim Wechsel von einem Schlafstadium in ein anderes auf.

Über die Entstehung von Parasomnien

Die Erforschung der Ursachen von Parasomnien ist zum heutigen Zeitpunkt noch nicht vollständig abgeschlossen. Da viele Parasomnien vor allem im Kindesalter auftreten, gehen Mediziner von einer Reifestörung des jungen Gehirns aus, die vorübergehend und meistens harmlos ist.

Parasomnien, die sich im Erwachsenenalter zeigen, sind deutlich komplexer. Je nachdem, was für eine Schlafstörung vorliegt, variieren die Ursachen beziehungsweise kann in den allermeisten Fällen gar kein klarer Auslöser bestimmt werden. Risikofaktoren für die Entstehung von Parasomnien sind jedoch laut Vermutungen der Ärzte die folgenden4:

  • Stress
  • Medikamente
  • Alkohol
  • Entzugserscheinungen (Alkohol, Drogen, Antidepressiva)

Aller Wahrscheinlichkeit nach können auch Schädigungen des Zentralen Nervensystems (ZNS) – wie sie im Rahmen der Erkrankungen Parkinson, Epilepsie oder Demenz auftreten – für eine Parasomnie verantwortlich sein4. Welcher Zusammenhang genau zwischen den Krankheiten und den Störungen im Schlaf besteht, ist jedoch noch nicht geklärt. Vermutlich wird das ZNS durch nicht kontrollierbare Impulse in der Nacht aktiviert, was dafür sorgt, dass unbeeinflussbare Ereignisse wie das Schlafwandeln ausgelöst werden.

Parasomnie: Diagnose und Behandlung

Da Parasomnien wie Albträume viele Menschen im Schlaf heimsuchen, gilt es abzuwägen, wann eine Behandlung sinnvoll ist. Grundsätzlich hängt das von der persönlichen Beeinträchtigung durch die Schlafstörung ab. Wenn der Betroffene durch seine nächtlichen Aktivitäten nicht aufwacht und sich auch sonst nicht durch Tagesmüdigkeit oder Konzentrationsschwäche beeinträchtigt fühlt, wird eine Parasomnie nicht behandelt.

Bei besonders starken Parasomnien wie REM-Verhaltensstörungen, immer wiederkehrenden Albträumen (mehr als einmal die Woche) oder Schlaflähmungen fühlen sich Betroffene tagsüber ausgelaugt und nicht erholt. Teilweise verletzen sie sich auch bei ihren nächtlichen Aktivitäten. In diesen Fällen hat der gestörte Schlaf massive Auswirkungen auf den Alltag und die Gesundheit. Daher ist es ratsam, einen Schlaf-Experten aufzusuchen. Meistens muss der Patient für eine Diagnose einige Nächte in ein Schlaflabor. Dort wird er mithilfe einer Polysomnographie (Dokumentation mehrerer Körperfunktionen in der Nacht) und Videoüberwachung beobachtet. Durch die Aufzeichnungen kann ein individuelles Schlafprofil erstellt werden. Je nachdem, was dort diagnostiziert wird, arbeitet der Arzt eine individuelle Therapie aus. Meistens besteht diese aus Entspannungstechniken und Einschlafübungen, in selten Fällen – beispielsweise, wenn eine Krankheit wie Narkolepsie oder Parkinson ursächlich ist für die Parasomnie – aus einer längerfristigen Medikation.Erfahren Sie mehr:

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1 Crönlein, Tanja/ Galetke, Peter/ Young, Peter: Schlafmedizin 1x1. Praxisorientiertes Basiswissen. Heidelberg: Springer Verlag 2016. S. 206.

2 Patientenratgeber der deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): Parasomnien. URL: http://www.dgsm.de/downloads/dgsm/arbeitsgruppen/ratgeber/neu-Nov2011/Parasomnien_A5.pdf (02.07.2018).

3 Happe, Svenja/Wito Walther, Björn: Schlafmedizin in der Praxis. Die internationale Klassifikation von Schlafstörungen in Fallberichten. Heidelberg: ecomed Medizin 2009. S.228.

4 Ärzteblatt: Parasomnien im Erwachsenenalter. URL: https://www.aerzteblatt.de/archiv/43122/Parasomnien-im-Erwachsenenalter (03.07.2018).