Doppelbelastung Job und Kind: Auch die Familie kann Stress bedeuten

Arbeitende Mutter mit Kind: Doppelbelastung durch Arbeit und Familie als Stressfaktor

Wer Arbeit und Familie unter einen Hut bringen muss, der steht schon ganz automatisch unter großem Stress. Plötzlich gilt es nicht mehr nur den Anforderungen des Jobs gerecht zu werden, sondern auch noch die Bedürfnisse der Kinder mit allen übrigen Verpflichtungen zu vereinbaren. Im Bestreben, all diese Erwartungen und Aufgaben möglichst ideal zu erfüllen, fällt da schnell die Einhaltung persönlicher Erholungsphasen weg.


Was die Doppelbelastung aus Job und Kind wirklich bedeutet und wie Sie sie trotz allem meistern können, lesen Sie hier.

Wenn das Stresslevel nach oben klettert

Schon der „normale“ Alltag kann sehr stressig werden: Zwischen Arbeit, Haushalt und Einkäufen bleibt oftmals nur wenig Zeit, in der man sich einfach nur entspannen und den Tag in Ruhe ausklingen lassen kann. Viele Menschen klagen daher – zurecht – über eine sehr hohe Stressbelastung im Alltag. Kommen dann allerdings auch noch die Bedürfnisse einer Familie dazu, steigt das Stresslevel noch einmal ganz entscheidend an. Denn dann stehen nicht mehr nur die eigenen Ansprüche und der Termindruck auf der Arbeit im Vordergrund, sondern vor allem auch die Bedürfnisse der Kinder.

Früher wurde diese Belastung durch eine kaum hinterfragte Rollenverteilung „gelöst“: Der Mann ging arbeiten und verdiente das Geld für die Familie, die Frau blieb bei den Kindern und kümmerte sich um den Haushalt. Dieses alte Bild von Arbeit und Familie hat sich inzwischen gewandelt. Auch die Frauen möchten sich beruflich verwirklichen, viele Männer übernehmen zuhause mehr Verantwortung. So teilen sich beide Partner die anfallenden Pflichten und Belastungen. Etwas anders sieht es bei alleinerziehenden Eltern aus: Sie stemmen alles alleine, vom Beruf über den Haushalt bis hin zur Versorgung der Kinder, und stehen daher meist besonders unter Druck.

Die Herausforderungen der Job/Kind-Kombi und ihre Folgen

So leicht wie anfangs geplant ist es meist nicht, die Familie und den Beruf unter einen Hut zu bekommen – denn auch mit der besten Planung lassen sich viele Faktoren nicht vorhersehen und die Doppelbelastung ist vorprogrammiert. Mal ist eines der Kinder krank oder man selbst, mal streikt das Auto oder die Bahn, mal brauchen die eigenen Eltern Unterstützung, die Freunde, die übrige Familie oder der Partner. So summiert sich die Verantwortung und die Herausforderungen des Alltags scheinen die Überhand zu gewinnen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Erwartungen des Umfelds
  • Termin- und Zeitdruck auf der Arbeit, Stress durch den Arbeitsweg
  • Haushalt
  • Kita- oder Betreuungsplätze für die Kinder finden
  • Flexibilität als Muss, weil sich die Anforderungen tagtäglich ändern
  • finanzielle Sorgen
  • Zeit für Zweisamkeit mit dem Partner finden

Zusätzlich werden viele berufstätige Eltern von einem schlechten Gewissen geplagt – denn Familie und Beruf zu vereinen, bedeutet letztendlich auch, häufig Abstriche machen zu müssen. Nicht immer bleibt genug Zeit, um alle Anforderungen ausreichend zu erfüllen, Aufgaben einwandfrei zu erledigen und dem Kind Aufmerksamkeit zuteilwerden zu lassen. Die Kombination aus Job und Kind ist nicht dauernd so lösbar, dass alle rundum zufrieden sind.

Steigt diese Form der Belastung weiter an, ohne dass genügend Zeit für Erholung bleibt, kann das auf Dauer auch gesundheitliche Folgen haben. Diese Stress-Symptome umfassen unter anderem

  • gesteigerte Infektanfälligkeit,
  • innere Unruhe, auch in Phasen der Entspannung,
  • Schlafstörungen,
  • Verdauungsstörungen,
  • Verspannungen und Rückenschmerzen,
  • Kopfschmerzen,
  • Erschöpfung bis hin zu
  • depressiven Verstimmungen und Depressionen.

Gelingt es nicht, an diesem Punkt vorbeugend einzugreifen, besteht eine deutlich erhöhte Gefahr, in der Folge am sogenannten Burnout-Syndrom zu erkranken.

Hilfestellungen für die Doppelbelastung aus Job und Kind

Werden Sie sich der Tatsache bewusst, dass Sie nicht alles allein schaffen müssen. Geben Sie die Aufgaben, die Sie nicht unbedingt selbst erledigen müssen, an andere ab, die dazu in der Lage sind, Sie zu unterstützen. So könnten zum Beispiel Babysitter, Nachbarn oder Unterstützer aus Familiennetzwerken, die Kinder von der Kindertagesstätte abholen und betreuen, bis Sie von der Arbeit kommen oder andere Besorgungen und Verpflichtungen erledigt haben. Das nimmt etwas Druck und Hektik aus Ihrem Alltag und gibt Ihnen die Möglichkeit, die Zeit besser zu nutzen – während die Kinder bestens versorgt sind.

Bleiben Sie mit Ihren Sorgen nicht alleine. Vielen, vielleicht sogar den meisten anderen Eltern wird es ähnlich oder genauso gehen wie Ihnen. Sprechen Sie mit Bekannten und Freunden, sehen Sie sich im Internet nach entsprechenden Foren um oder besuchen Sie Elterngruppen von Kirchen oder freien Trägern, in denen Sie sich mit anderen austauschen. Es tut gut zu wissen, mit Problemen und Herausforderungen nicht allein zu sein. Außerdem können Sie sich gegenseitig hilfreiche Tipps und Unterstützung zukommen lassen.

Bringen Sie Struktur in Ihren Alltag. Ja, nicht alles lässt sich planen oder vorhersagen, aber vieles. Überlegen Sie schon am Wochenende mit dem Partner und/oder den Menschen, die Ihnen helfen, wie die kommende Woche grob ablaufen wird. Besprechen Sie, welche Termine anstehen, wer wann wohin muss, wo die Kinder bleiben können, während Sie unterwegs sind. Außerdem kann es sinnvoll sein, grobe „Notfallpläne“ auszuarbeiten, zum Beispiel was Sie tun, wenn eines der Kinder krank wird. Das gibt Sicherheit, wodurch Sie besser zur Ruhe kommen können.

Nehmen Sie sich Zeit für sich und für Ihren Partner – ohne schlechtes Gewissen. Versuchen Sie, diese Zeit der Erholung ganz bewusst zu genießen, so tanken Sie selbst wieder neue Kraft. Vereinbaren Sie dazu zum Beispiel, gemeinsam mit dem Partner einen freien Samstag im Monat zu haben, an dem Sie sich nur Zeit für einander nehmen. Außerdem können Sie andere feste Termine für Sport, Ausgehen oder einfach zur Entspannung in den Alltag integrieren.