Depression und Schlafstörung: Wenn psychische Erkrankungen den Schlaf rauben

Sie leiden schon seit längerem unter Schlafstörungen und Ihr Alltag ist begleitet von einer depressiven Verstimmung oder Angstzuständen? Das ist keine Seltenheit, denn schlaflose Nächte sind eng mit psychischen Erkrankungen verknüpft. Hier erhalten Sie einen Überblick über die Zusammenhänge von Angst, Demenz, Depression und Schlafstörungen und erfahren, was eine Verbesserung der Symptome verschaffen kann.

Eine Depression als Auslöser der Schlafstörungen

Depressionen oder psychische Erkrankungen verursachen Schlafstörungen bei junger Frau

Laut der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) leidet in Deutschland jährlich circa ein Drittel der Bevölkerung an psychischen Beschwerden. Darunter ist die Depression eine der häufigsten Erkrankungen1. Es gibt viele Anzeichen, die auf eine Depression hindeuten können, doch nicht jedes Stimmungstief ist sofort mit ihr gleichzusetzen. Jeder hat Tage, an denen der Antrieb und die Motivation fehlen, oder Phasen im Leben, die aufgrund eines Schicksalsschlages von Traurigkeit dominiert werden. Es müssen verschiedene typische Anzeichen über einen längeren Zeitraum auftreten, um von einer Depression sprechen zu können.

Schlafstörungen können ein Symptom einer Depression sein. Schwierigkeiten beim Einschlafen oder nächtliches Erwachen stören die Nachtruhe und verhindern, energiegeladen in den Tag starten zu können. Am häufigsten leiden Betroffene allerdings daran, dass sie viel zu früh wach sind und nicht mehr einschlafen können. Der Grund hierfür sind meist depressive Gedanken, die im Kopf herumschwirren.

Neben Schlafstörungen zählen auch andere Symptome zu den Auswirkungen einer Depression:

  • Motivations- und Lustlosigkeit
  • andauernde Müdigkeit
  • schnelle Ermüdbarkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • gedrückte Stimmung
  • Interessensverlust
  • Gefühl von Wertlosigkeit
  • Appetitlosigkeit

Treffen mehrere Symptome über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen zu, kann das für eine Depression sprechen2. Doch um eine fundierte Diagnose stellen zu können, bedarf es einer ärztlichen Untersuchung.

Psychische Schlafstörungen: Angststörungen als Ursache

Jeder Mensch hat Angst – zum Beispiel vor dem Unbekannten, vor Höhe oder vor Spinnen. Das ist völlig normal und rettet uns in vielen Situationen sogar das Leben. Doch bestimmt dieses Gefühl den Alltag und nimmt es überhand, ist von einer Angststörung die Rede. Neben Depressionen zählen Angststörungen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen3.

Übermäßige Angst kann zu Schlafstörungen und nächtlichen Panikattacken führen. Dies kann sich sogar soweit verstärken, dass sich eine sogenannte Erwartungsangst entwickelt, also die Angst vor der Angst. Wenn Sie nur Schlechtes mit dem Zubettgehen verbinden, kann daraus irgendwann auch eine Angst vor dem Schlafengehen entstehen.

Sie leiden an nächtlichen Panikattacken?

Dann ist es sehr wichtig ihnen entgegenzuwirken, indem Sie aufstehen und das Licht anmachen. Dadurch beginnt unser Gehirn mit der Verarbeitung von neuen Eindrücken, die wir durch das Licht aufnehmen, und vertreibt die schlimmen Gedanken. Lenken Sie sich ab, zum Beispiel mit Lesen oder dem Lösen eines Rätsels, um Schlafstörungen aufgrund von Angst zu vermeiden. Was Sie nicht tun sollten, ist den Fernseher anschalten: Das blaue Licht, das sowohl der TV als auch das Handy ausstrahlt, kann ein Faktor für Melatoninmangel sein, denn es unterdrückt die Produktion des Schlafhormons Melatonin, welches uns eigentlich beim Einschlafen helfen soll.

Psychische Schlafstörungen bei Demenz

Übersetzt bedeutet Demenz „ohne Geist“, was die Krankheit sehr gut beschreibt – Betroffene verlieren nach und nach die Funktionen ihres Gehirns. Dieser Verlust ist die Folge abgestorbener Nervenzellen und einer gestörten Signalweiterleitung an den Kontaktstellen der Nervenzellen, den sogenannten Synapsen. Dadurch können mit der Zeit verschiedene Fähigkeiten, wie Sprechen oder die Erinnerung an bestimmte Sachverhalte, nicht mehr ausgeführt werden4.

Auch der Verlust von Orientierung und Zeitgefühl gehen mit der Krankheit einher. Diese fehlende Einschätzung macht die Unterscheidung zwischen Tag und Nacht oft nicht mehr möglich. Dies ist der Grund, warum Schlafstörungen häufig bei Demenzpatienten entstehen. Der nächtliche Aktivitätsdrang und die Müdigkeit am Tag, also ein umgekehrter Tag-Nacht-Rhythmus, stellen eine zusätzliche Belastung, vor allem für die Angehörigen beziehungsweise das Pflegepersonal, dar. Da sie sich dann sowohl tagsüber als auch nachts um die Betroffenen kümmern müssen, ist das in den meisten Fällen sehr kräftezehrend.

Weitere Gründe für Schlafstörungen bei Demenzpatienten sind:

  • fehlendes Zeitgefühl
  • zu wenig bis keine sozialen Kontakte
  • geringe körperliche Aktivität
  • Langeweile
  • Umgebung kann auf Patienten fremd wirken, wodurch vor allem nachts Angst und Stress entstehen
  • Medikamente zur Behandlung von Demenz können Schlafstörungen als Nebenwirkung haben
Vor allem gegen Abend ist zu beobachten, dass Demenzpatienten unruhiger werden und nach einer Beschäftigung suchen. Bekommen sie keine Aufgabe, ist innere Unruhe oder sogar aggressives Verhalten die Folge. Dies wird als sogenanntes Sun-Downing-Syndrom bezeichnet.

Wie Sie mit psychogenen (psychischen) Schlafstörungen umgehen

Generell ist es bei nächtlichem Erwachen wichtig, den Ursachen auf den Grund zu gehen und diese zu behandeln. Liegt die Schlafstörung an Depressionen oder Angstzuständen, ist eine Therapie zu empfehlen, um wieder einen erholsamen Schlaf zu finden. Bei Demenzpatienten sollten unbedingt die Medikamente genauer geprüft werden, denn diese haben häufig Schlafstörungen zur Folge. Außerdem ist es wichtig, die Betroffenen tagsüber zu beschäftigen und mit ihnen an die frische Luft zu gehen, damit sich die Helligkeit der Sonne positiv auf den Tag-Nacht-Rhythmus auswirken kann.

Auch wenn bei psychischen Schlafstörungen immer der Auslöser, also zum Beispiel die Depression, behandelt werden sollte, gibt es dennoch Hilfsmittel, die die nächtliche Ruhe unterstützen können.

  • Entspannungstechniken helfen, die innere Unruhe zu lindern und Schlafstörungen zu verhindern. Hier haben sich vor allem spezielle Atemtechniken bewährt.
  • Baldrian kann beruhigend und einschlaffördernd wirken. Ob in getrockneter Form als Tee oder als Dragee – Baldrian-Präparate sind bei psychogenen Schlafstörungen häufig eine gute Wahl.
  • Greifen Sie auf bewährte Hausmittel zum Schlafen zurück: Nicht nur etwas für die Kleinen: Eine warme Tasse Milch mit Honig kann auch bei Erwachsenen schlaffördernd wirken. Milch enthält die Aminosäure Tryptophan, welche im Gehirn zu Melatonin (unserem Schlafhormon) umgewandelt wird. Der im Honig enthaltene Fruchtzucker beschleunigt den Vorgang.
  • Finden Sie für sich heraus, was für Sie die richtige Methode ist, um die Schlafstörungen zu mindern und wieder besser schlafen zu können. Testen Sie verschiedene Varianten und suchen Sie einen Arzt auf, der Ihnen ebenfalls hilfreiche Tipps geben kann, um morgens wieder ausgeschlafen in den Tag zu starten.

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    1 Bundespsychotherapeutenkammer: Psychische Krankheiten. Online abgerufen unter: http://www.bptk.de/patienten/psychische-krankheiten.html (Stand: 07.12.2017)

    2 Stiftung Deutsche Depressionshilfe: Depression: Infos und Hilfe. Online abgerufen unter: https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe (Stand: 15.12.2017)

    3 Neurologen und Psychiater im Netz: Was sind Angsterkrankungen bzw. Angststörungen? Online abgerufen unter: https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/erkrankungen/angsterkrankungen/was-sind-angsterkrankungen/ (Stand: 12.12.2017)

    4 Neurologen und Psychiater im Netz: Was ist eine Demenz und welche Formen gibt es? Online abgerufen unter: https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/erkrankungen/demenz/was-ist-eine-demenz/#c647 (Stand: 11.12.2017)