Medikamente gegen Stress: Verbündete in der Stressbewältigung

30. März 2017
6 Min.
Verabreichen von Beruhigungsmitteln zur besseren Stressbewältigung

Egal ob die eigenen Ansprüche, der Arbeitsplatz oder die Familie: Alle Anforderungen bewältigen zu wollen, verlangt uns einiges an Kraft ab. Eine Zeit lang kann der Betroffene mit der Stressbelastung im Alltag noch gut umgehen, doch irgendwann fällt es schwer, selbst in Erholungsphasen richtig abzuschalten. Was tun? Der Griff zu Beruhigungsmitteln liegt nahe, scheinen diese doch simple Problemlöser zu sein. Doch sind Medikamente gegen Stress das wirklich?

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Wann kommen Medikamente gegen Stress zum Einsatz?

Soziale Verpflichtungen, Dauerstress, steigende mentale Erschöpfung – es dauert nicht lange bis sich die ersten Stress-Symptome wie Schlafprobleme, Gereiztheit oder Rücken- und Kopfschmerzen bemerkbar machen. Zur kurzfristigen Überbrückung und bis gezielte Stressbewältigungsmaßnahmen ihre Wirkung zeigen, kann der Arzt Beruhigungsmittel (Sedativa) verschreiben.

Wie wirken Beruhigungsmittel?

Je nach Wirkstoff beeinflussen sie Botenstoffe im Gehirn oder bestimmte Rezeptoren im zentralen Nervensystem (also Gehirn und Rückenmark). So erreichen die Beruhigungsmittel, dass Angst sich löst und die Muskeln sich entspannen; die Patienten werden ruhig und in vielen Fällen auch müde.

Verschreibungspflichtige Beruhigungsmittel

In Deutschland kommen überwiegend Benzodiazepine zum Einsatz. Diese Sedativa wirken nicht nur (muskel)entspannend, sondern auch schlafanstoßend, antiepileptisch (krampflösend) und angstlösend. Je nach Wirkstoff überwiegt die eine oder andere Eigenschaft.

Diese Arzneistoffe aus der Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine gibt es:

SubstanznameWirkdauer
Brotizolam, Midazolam, Triazolam6 Stunden
Bromazepam, Lorazepam, Oxazepam6 bis 24 Stunden
Clorazepat, Diazepammehr als 24 Stunden1

Benzodiazepine haben einen hohen Stellenwert, Ärzte verordnen sie in vielen Situationen. Beispielsweise bei Patienten, die vor einem operativen Eingriff sehr angespannt sind, oder als vorübergehende Maßnahme bei Depressionen bis die verordneten Antidepressiva wirken. Doch es gibt auch anderweitige Einsatzfelder: Jeder Vierte greift auf diese Medikamente gegen Stress bei innerer Unruhe und Nervosität zurück, jeder zweite bei Schlafstörungen2. Problematisch – vor allem bei längerer Einnahme.

Schlaf- und Beruhigungsmittel – ist das das Gleiche?

Während Schlafmittel (Hypnotika) das Ein- und Durchschlafen erleichtern sollen, werden Beruhigungsmittel (Tranquillanzien) in der Regel tagsüber eingenommen. Doch die Übergänge sind fließend.

Häufig unterschätzt: Abhängigkeitspotenzial bei Beruhigungsmitteln

Auch bei generell guter Verträglichkeit können Nebenwirkungen bei der Einnahme von Beruhigungsmitteln auftreten. Dazu gehören beispielsweise Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen, Verlust der Libido und aufgrund der einsetzenden Müdigkeit und verlängerten Reaktionszeiten die Einschränkung der Fahrtüchtigkeit. Nicht eingenommen werden dürfen Benzodiazepine bei bestimmten Erkrankungen, wie zum Beispiel Asthma, Leberschäden oder Muskelschwäche. Sprechen Sie daher bekannte Erkrankungen im Arztgespräch an.

Darüber hinaus ist bei Beruhigungsmitteln dieser Art die Gefahr einer Abhängigkeit besonders groß. Das Nervensystem gewöhnt sich an die Mittel gegen Stress und zwingt damit kontinuierlich zur Einnahme höherer Dosen. Wer die Behandlung nach längerer Zeit abrupt abbricht, hat mit Entzugserscheinungen zu kämpfen. Beispiele hierfür sind Schlaflosigkeit, Zittern, Albträume, in schweren Fällen zerebrale (das Großhirn betreffende) Krampfanfälle. Ein Absetzen der Beruhigungsmittel ist daher nur schrittweise ratsam.

Aus diesen Gründen raten Ärzte, Benzodiazepine nicht länger als zwei bis sechs Wochen einzunehmen3. Auch die beruhigend wirkenden, benzodiazepinähnlichen Wirkstoffe Zolpidem, Zopiclon und Zaleplon (in Deutschland nicht mehr vertrieben seit Oktober 20104) sind als Mittel gegen Stress nur als kurzfristige Hilfe gedacht.

Medikamente gegen Stress: Keine Dauerlösung

Zwar bekämpfen verschreibungspflichtige Arzneimittel im ersten Moment die Symptome, nicht jedoch die Ursachen, die hinter dem Stress stecken. Es ist wichtig, selbst auf die Einhaltung von Pausen und die Signale des eigenen Körpers zu achten.

Pflanzliche Beruhigungsmittel als natürliche Medikamente gegen Stress

Im Gegensatz dazu erzeugt das pflanzliche Beruhigungsmittel Baldrian keine Abhängigkeit, führt nicht zu Tagesmüdigkeit und kann sogar die Konzentrationsfähigkeit fördern. Die wertvolle Arzneipflanze ist in verschiedenen Darreichungsformen wie Tabletten oder Tees rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Seine ätherischen Öle lösen Anspannungen der Muskeln und wirken entspannend auf die Psyche. Dadurch findet der Betroffene nicht nur Ruhe, sondern kann auch bestehende Schlafstörungen überwinden.

Der Melisse wird ebenfalls eine beruhigende Wirkung zugeschrieben. Vielleicht probieren Sie es mit einem selbst zubereiteten Badezusatz für Ihr Vollbad? Bringen Sie dazu 50 bis 60 Gramm Melissenblätter (erhältlich in der Apotheke oder dem Reformhaus) mit einem Liter Wasser zum Kochen. Nach zehn Minuten einfach abseihen5.

Wer unter Stress und Unruhe leidet, kann sich einen Tee aus Hopfenblüten zubereiten. Dazu zwei gehäufte Teelöffel des pflanzlichen Beruhigungsmittels mit einem Viertelliter kochendem Wasser übergießen und nach circa 15 Minuten Ziehzeit genießen6.

Auch Passionsblumenkraut ist ein pflanzliches Sedativum. Hauptanwendungsgebiet sind nervöse Unruhezustände. In Tees wird es meist zusammen mit anderen Komponenten wie Baldrian und Hopfen verwendet.

Julia Lindert
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Jenni Graf
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