Was der Melatoninspiegel im Körper bewirkt


Noch ist nicht abschließend geklärt, wie die Regelung unseres Schlaf-Wach-Rhythmus genau funktioniert. Fest steht aber, dass das Schlafhormon Melatonin eine zentrale Rolle dabei spielt. Melatonin wird von der erbsengroßen Zirbeldrüse (Epiphyse) im Zwischenhirn produziert: Sie baut dazu den wachmachenden Botenstoff Serotonin um.

Der Melatoninspiegel – also die Menge an Melatonin im Körper – hängt eng mit der Lichtzufuhr zusammen. Rezeptoren auf der Netzhaut des Auges nehmen die Helligkeit der Umgebung wahr und melden dies an einen Nervenknoten im Gehirn, den Nucleus suprachiasmaticus. Der wiederum leitet ein Signal zur Zirbeldrüse weiter. Bei Dunkelheit steigt der Melatoninspiegel also und wir sind müde. Bei Helligkeit ist es umgekehrt: Die Produktion von Melatonin wird gehemmt, wir fühlen uns wach und sind auf Aktivität eingestellt.

Der Melatoninspiegel im Überblick

  • Er steigt mit Beginn der Dunkelheit am Abend.
  • Er erreicht seinen Höhepunkt zwischen zwei und drei Uhr nachts.
  • In den frühen Morgenstunden fällt er wieder ab.
  • Nachts ist der Melatoninspiegel etwa drei- bis zwölfmal höher als tagsüber.
  • Tagsüber beträgt der durchschnittliche Melatoninspiegel 10 Pikogramm pro Milliliter, dies entspricht 1 milliardstel Milligramm pro Milliliter (1 Gramm sind 1.000.000.000.000 Pikogramm). Nachts liegt er bei 100 Pikogramm pro Milliliter.<sup>4</sup>
  • Er beeinflusst nicht nur den Schlaf-Wach-Rhythmus, sondern gibt auch den Takt für andere Körperfunktionen wie Blutdruck oder Energieverbrauch vor – sie fahren nachts herunter.

Mögliche Ursachen eines Melatoninmangels


Viele Menschen leiden im Alter an einer Schlafstörung – Ursache dafür kann ein bestehender Melatoninmangel sein. Denn mit steigendem Alter nimmt die Produktion von Melatonin stetig ab. Zudem neigt die Zirbeldrüse dazu, mit den Jahren zu verkalken und daraufhin weniger Melatonin herzustellen.

Neben fortgeschrittenem Lebensalter gibt es noch weitere Auslöser für schlechten Schlaf, die in Zusammenhang mit einem Melatoninmangel stehen können. Dabei handelt es sich um Faktoren, die den Tag-Nacht-Rhythmus und damit den Melatoninspiegel beeinflussen, wie zum Beispiel:

  • lange Tageslichtphasen im Sommer
  • Schichtarbeit
  • Jetlag durch Zeitverschiebung
  • dauerhafter Stress
  • Kaffee oder Energy Drinks (das enthaltene Koffein blockiert das Hormon N-Acetyltransferase, welches an der Produktion von Melatonin beteiligt ist)

Auch bei zu wenig Serotonin, aus dem Melatonin produziert wird, oder durch die Einnahme von Medikamenten wie Beta-Blockern kann es zu einem Melatoninmangel kommen. Übrigens: Ein zu hoher Melatoninspiegel – zum Beispiel durch die Einnahme von Antidepressiva – kann den Schlaf ebenfalls stören.

Wann liegt ein Melatoninmangel vor?

Der Melatoninspiegel kann je nach Jahreszeit (siehe auch: Frühjahrsmüdigkeit) und Aufenthalt im Freien stark schwanken. Und auch unabhängig von diesen Faktoren werden von Mensch zu Mensch unterschiedliche Melatoninwerte gemessen. Daher ist nicht festlegt, welche Werte als normal gelten und wann ein Melatoninmangel vorliegt. Trotzdem kann der Melatoninspiegel gemessen werden, wenn der Arzt einen Mangel vermutet. Der Spiegel lässt sich zum Beispiel anhand von mehreren Blutproben in der Nacht bestimmen. Außerdem kann man den Melatonin-Gehalt morgens im Speichel oder im Urin messen. Das Ergebnis der Messung kann der Arzt mit den bekannten Durchschnittswerten vergleichen.

Melatoninmangel behandeln


Theoretisch könnte man Melatonin zur Behandlung von Schlafstörungen einnehmen. Tatsächlich geschieht das hierzulande allerdings nur selten, da es noch zu wenig Studien zur Langzeitwirkung gibt. Melatonin ist zwar seit 2008 in Deutschland als verschreibungspflichtiges Medikament zugelassen. Der Arzt darf es allerdings nur dann verschreiben, wenn der Patient

  • über 55 Jahre alt ist und
  • unter einer primären Insomnie leidet – also einer Schlafstörung, die nicht auf anderen Krankheiten wie etwa einer Depression oder Migräne beruht.

Auf Rezept sind Tabletten gegen Melatoninmangel mit zwei Milligramm des Schlafhormons erhältlich. Sie setzen den Wirkstoff verzögert frei (retardiert), wodurch der Melatoninspiegel langsam ansteigt. Die Tablette sollte etwa ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen eingenommen werden. So können sich der gestörte Schlaf-Wach-Rhythmus und damit verbundene Ein- oder Durchschlafprobleme wieder normalisieren. Die Dauer der Melatonin-Therapie wird vom Arzt festgelegt und beträgt in der Regel drei Wochen1.

Allerdings gibt es aktuell noch wenige Studien darüber, wie genau Melatonin im Körper wirkt und wie es richtig dosiert wird. Bislang gehen Wissenschaftler davon aus, dass das Hormon den REM-Schlaf normalisiert und so Schlafproblemen den Garaus macht.

Wundermittel Melatonin?

In den USA wird Melatonin als regelrechtes Wundermittel gehandelt, das der Zellalterung vorbeugen und das Immunsystem stärken soll. Das Hormon ist dort als Nahrungsergänzungsmittel rezeptfrei in Supermärkten und Drogerien erhältlich. In Deutschland wird es wegen der fehlenden Studienlage nur in besonderen Fällen verschrieben.

Als rezeptfreie Alternative können Patienten, die von Schlafstörungen geplagt werden, auf Baldrianpräparate zurückgreifen. Das natürliche Mittel sorgt bei regelmäßiger Anwendung für einen erholsamen Schlaf.

Handy im Schlafzimmer: Raubt blaues Licht den Schlaf?


Nicht nur das Tagelicht, sondern auch die Beleuchtung mithilfe von LED-Lichtern kann die innere Uhr aus dem Takt bringen: Seit geraumer Zeit sind Smartphones, Laptops und Tablets in Beruf und Freizeit nicht mehr wegzudenken. Ihre Bildschirme strahlen jedoch blaues Licht ab, das unseren Schlaf negativ beeinflussen kann. Die Fotorezeptoren unserer Netzhaut reagieren auf dieses Licht besonders empfindlich. Handy und Co. im Schlafzimmer können daher eine weitere Ursache für Schlafstörungen sein.

Was kann man gegen das blaue Licht tun? Die wohl einfachste Methode ist es, die Geräte aus dem Schlafzimmer zu verbannen. Denn, wenn man sich vor dem Schlafengehen über längere Zeit blauem Licht aussetzt, wird das Ansteigen des Melatoninspiegels um eine Stunde nach hinten verschoben2. Verzichten Sie daher einige Zeit vor dem Schlafen auf das Verwenden von Geräten mit blauem Licht – dazu gehört auch das Fernseher. Wer nur ungern verzichtet, kann auch bei einigen Geräten die Lichtfarbe mithilfe eines Blaulichtfilters verändern – beim Smartphone zum Beispiel durch eine App. Im Internet gibt es verschiedene, auch kostenlose Angebote zum Herunterladen, daneben haben einige Geräte bereits einen Nachtmodus vorinstalliert.

Der Vollmond und die Schlafstörungen


Kann auch der Vollmond Schlafstörungen und Schlaflosigkeit hervorrufen? Viele Menschen sind davon überzeugt. Jedoch ist hier die Studienlage unklar: Während manche Studien einen Zusammenhang zwischen dem Mond und unserem Schlaf nachweisen, können andere dies nicht bestätigen. Befürworter der These glauben, dass in Vollmondnächten der Melatoninspiegel sinkt, was letztlich zu Schlaflosigkeit führt3. Woran das liegen könnte, bleibt bislang unklar.

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